Ein Bericht der WAZ vom 02.12.2016 von Heidi Hagemann

Panflöten aus Glasflaschen und Trommeln aus Butterbrotpapier: In der Musikschule recyceln Schüler Müll. Berufskolleg rief das Projekt ins Leben.

Laute Töne klingen aus den Räumen der Städtischen Musikschule. Nichts Ungewöhnliches, mag man denken. Doch von wegen: Pia, Mina und Simon pusten in leere Glasflaschen und üben sich im Flöten. Sie bereiten sich auf ein außergewöhnliches Musik- und Bastelprojekt vor, es steht unter dem Motto „Instrumente aus Abfall“. Fünf angehende Erzieher vom Emschertal-Berufskolleg haben es ins Leben gerufen.

18 Kinder im Alter von sieben Jahren bauten in der Städtischen Musikschule aus Alltagsgegenständen und Abfallmaterialien teils ungewöhnliche Instrumente und Klangerzeuger.

Mit einer Trommel geht es los

Der Kurs dauerte sechs Wochen, diesmal stand der Bau einer Panflöte auf dem Programm. Deshalb pusteten die Kinder auch in leere Flaschen. An fünf Montagen bastelten die kleinen Teilnehmer mit den Erziehern innerhalb von je eineinhalb Stunden ein Instrument. Mit einer selbst gefertigten Trommel ging das Projekt vor einigen zwei Wochen los.

„Diese Trommeln sind aus einem stabilen Pappkern, dafür eignen sich zum Beispiel Teppichrohlinge sehr gut. Die Oberfläche ist aus Butterbrotpapier, welches über mehreren Schichten geklebt ist“, erklärte Christian Ribbe, Leiter der Musikschule.

Auch der Klöppel ist aus einem Naturprodukt, und zwar aus alten Korken. Besonders beim Kleistern hätten die Kinder ihren Spaß, ergänzt Ribbe. In einem zweiten Schritt wurden die Trommeln bunt bemalt. Am Ende des Kurses durften die Kinder die Musikinstrumente mit nach Hause nehmen. So auch eine kleine Walnussraspel, welche aus Buchenbundholz gefertigt wurde. Ein besonderer Spaß, da die Kinder die Nüsse zuvor aushöhlten und die Früchte aufessen durften.

Neuauflage des Projekts möglich

„Wir haben das Pflichtfach Projektarbeit. Dabei müssen wir uns einen Kooperationspartner suchen und dann einen praktischen Workshop durchführen“, erklärt Natasha Tamara Gerbracht. Die 20-Jährige lobte ihre Schützlinge, die Kinder seien sehr kreativ und mit Eifer bei der Sache. Und auch die Kleinen erzählen eifrig: „Heute malen wir die Trommeln an, darauf freu’ ich mich schon, es wird ganz bunt, ich habe mir zu Hause schon ganz viel überlegt und viele Walnüsse gegessen“, berichtet Mina aufgeregt. „Ich möchte am liebsten nur Flöten bauen, ich liebe Flöten“, wirft Pia ein.

Die Beteiligten sind mit dem Projekt sehr zufrieden. Sie denken darüber nach, etwas Ähnliches bald zu wiederholen.

Das ist kein Müll: In der Musikschule lernen Isra-Nur (li.), Nina-Sophie, Jamil und Phillip (r.), wie sie aus Abfall Flöten oder Trommeln bauen können.