"INVET" steht für "Informal Vocational Education of Travellers". Unser Ziel: Jugendliche Schausteller können ihre außerhalb des formalen Bildungssystems in den Familienbetrieben erworbenen beruflichen Kompetenzen mit Hilfe der niederländischen EVC-Methode feststellen lassen.

Wie bei allen Reisenden ist die Ausbildung von Schaustellern schwierig, auch hinsichtlich ihrer beruflichen Ausbildung. Die berufliche Bildung von Schaustellerkindern und -jugendlichen ist durch die Reisetätigkeit der Eltern ständigen Wechseln unterworfen. Obwohl in den meisten Fällen die allgemeine Schulpflicht erfüllt wird, fehlen ihnen doch häufig die erforderlichen Nachweise von erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Schon früh werden sie in den Familienbetrieb integriert und leisten dort ihren Beitrag zum Betriebserfolg. Ihre berufliche Ausbildung ist traditionell geprägt vom Prinzip "learning by doing" in der Familie. Professionelles Know-how in technischen und kaufmännischen Fächern wird jedoch auch im Schaustellergewerbe darüber entscheiden, ob ein Betrieb lebensfähig ist oder nicht. Zudem fehlen den Jugendlichen so die entsprechenden Zertifikate für jegliche Art von Bildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen oder Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Berufsbereichen, die anerkannte Qualifikationen erfordern. Trotzdem mangelt es aber bisher in ganz Europa an geeigneten Unterrichtsangeboten im berufsbildenden Bereich für Jugendliche aus Schaustellerfamilien. Laut Aussagen der deutschen Schaustellerverbände gibt es allein derzeit in Deutschland ca. 5000 Kinder und Jugendliche, die in den nächsten Jahren in die elterlichen Betriebe hineinwachsen. Das Projekt ermöglicht Jugendlichen, berufliche Bildungsmaßnahmen zu ergreifen, um die persönlichen und betrieblichen Zukunftschancen zu verbessern und den ganzen Berufsstand zukunftsfähig zu gestalten.

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Quelle: http://www.bezreg-arnsberg.nrw.de/themen/i/invet_de/

Monique Scheit belegt zurzeit den Blockunterricht im Fach „Farbtechnik“ am Emschertal-Berufskolleg.Foto: Joachim Haenisch

 
Herne. Das Mulvany- und das Emschertal Berufskolleg realisieren ein neues Bildungsprojekt der Europäischen Union für Jugendliche aus Schaustellerfamilien.

Das Mulvany- und das Emschertal Berufskolleg realisieren gemeinsam ein neues Bildungsprojekt der Europäischen Union für Jugendliche aus Schaustellerfamilien. Hinter dem Kürzel „INVET“ verbirgt sich das Ziel, es jugendlichen Schaustellern zu ermöglichen, ihre beruflichen Kompetenzen, die sie „Learning by doing“ im Familienbetrieb erworben haben, auch offiziell anerkennen und zertifizieren zu lassen.

Stellvertretend für das Grundproblem bei der Ausbildung von Jugendlichen aus Schaustellerbetrieben steht Monique Scheit: Die 19-Jährige aus Wittenberg ist mit ihrer Familie die meiste Zeit des Jahres auf den Volksfesten quer durch die Republik unterwegs. Die Saison beginnt im April und endet frühestens Ende Oktober. Als Schülerin sei sie jede Woche in einer anderen Schule gewesen - das Bildungssystem ist eben ausschließlich auf „Sesshafte“ ausgerichtet.

Als beruflich Reisende ist Monique Scheit nun berufsschulpflichtig. Diese Pflicht kann sie mit Hilfe der sogenannten BeKoSch-Kurse der beiden Herner Berufskollegs erfüllen. Zwei Fernlernphasen werden in der Winterpause ergänzt durch Blockunterricht an der Steinstraße und am Westring. Am Ende steht der Hauptschulabschluss. Eine Ausbildung? „Brauche ich nicht“, sagt Scheit, sie werde den elterlichen Betrieb eines Tages übernehmen. Diese Perspektive, so BeKoSch-Koordinator Franz-Josef Berkenkötter, treffe auf den allergrößten Teil der Schausteller-Jugendlichen zu. „90 Prozent machen keine Ausbildung.“ Weil sie eben die Tradition fortsetzen wollten.

Doch es ist nicht jede Woche Cranger Kirmes, und kleine Volksfeste würden nach und nach eingestellt, so Berkenkötter. Die Folge: Mancher Schausteller ist in seiner Existenz bedroht. Mit dem EU-Bildungsprojekt soll eine berufliche Alternative eröffnet werden. „Die Jugendlichen können ja etwas. Sie haben viele Kompetenzen durch ihre tägliche Arbeit erworben“, so Berkenkötter. Doch dafür gab es bislang keinen Nachweis und kein Zeugnis. Die Idee hinter INVET sei es zu fragen, was die Jugendlichen gelernt haben und diese Fähigkeiten zu zertifizieren. Vorbild dafür ist das niederländische EVC-Verfahren. Dabei werden Kenntnisse anerkannt, die nicht im formalen Bildungssystem erworben wurden, sondern in der beruflichen und in der persönlichen Praxis und selbst in der Freizeit. Diese Fähigkeiten werden erfasst, bewertet und mit einem Zeugnis anerkannt.

Dafür wäre beim Herner Projekt die IHK Mittleres Ruhrgebiet zuständig. Die hält das Projekt für sehr sinnvoll, weil es die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhe, falls die Jugendlichen die Schaustellerbranche verlassen. Man werde aber genau darauf achten, dass die Teilqualifikationen, die nachgewiesen werden sollen, auch tatsächlich vorhanden sind.

Tobias Bolsmann
 

Quelle: Berufskollegs realisieren EU-Projekt für junge Schausteller | WAZ.de
http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/berufskollegs-realisieren-eu-projekt-fuer-junge-schausteller-id10395090.html#plx856587500

Die beiden Berufskollegs der Stadt Herne haben im Frühjahr 2014 im Rahmen des EU-Programmes Erasmus+ das Projekt „Feststellung und Anerkennung von non-formalen und informellen Kompetenzen in der beruflichen Bildung von jugendlichen Schaustellern“ ausgearbeitet und zusammen mit der Bezirksregierung Arnsberg zur Förderung beantragt. Das Projekt wurde genehmigt, und das erste Treffen der Projektpartner fand im Dezember am Mulvany Berufskolleg - Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Herne - statt.

Das Ziel des Projektes: In Block-und Fernunterricht sollen jugendliche Schausteller das Abschlusszeugnis der Berufsschule (Hauptschulabschluss) erlangen können. Junge Schausteller werden zumeist schon während der schulischen Ausbildung in den Familienbetrieb integriert und leisten ihren Beitrag zum Betriebserfolg. Ihre berufliche Ausbildung im Anschluss an die allgemeinbildende Schule ist traditionell geprägt vom Prinzip „learning by doing“ in der Familie. Die dabei erworbenen Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten seien unbestritten – werden allerdings nicht als berufliche Qualifikation anerkannt. Genau an diesem Punkt setzt das neue internationale Bildungsprojekt an. Die außerhalb des formalen Bildungssystems erworbenen Kompetenzen sollen festgestellt und anerkannt werden.

Weitere deutsche Partner im Projekt sind neben dem Mulvany Berufskolleg und dem Emschertal-Berufskolleg der Deutsche Schaustellerbund (DSB) und der Bundesverband der Schausteller und Marktkaufleute (BSM). Partnerland ist die Niederlande, die. u.a. durch ein Berufsbildungszentrum in Nijmegen (ROC Nijmegen) und dem niederländischen Schaustellerverband (BOVAK) im Projekt vertreten ist.

Quelle: http://www.halloherne.de/artikel/schulabschluss-fuer-jugendliche-schausteller-6424.htm